Firmeneigene Bewerbungsportale setzen sich immer mehr durch. Sie nennen sich auch Bewerberportale, Karriereportale oder individuelle Bewerbungssysteme und zeigen einen zunhmenden Trend im Bewerbungswesen auf. Viele Unternehmen ersetzen mit dieser Bewerbungsstrategie, das Online Bewerbungsformular und die E-Mailbewerbung. Welche Vor- und Nachteile haben firmeneigene Bewerbungsportale für das Unternehmen und für den Bewerber? Wir informieren Sie darüber und zeigen Ihnen, wie Sie sich angemessen vorbereiten können.

Was zeichnet firmeneigene Bewerbungsportale aus?

Anstelle eines Formulars, muss sich der Bewerber bei dieser Bewerbungsform registrieren. Er kann ein Profil hinterlegen und wichtige Dokumente hochladen und sich mit diesen Dateien auf eine ausgeschriebene Stelle bewerben.

Agentur für Arbeit als Vorbild

Nicht nur die Agentur für Arbeit, sondern auch immer mehr Unternehmen wie zum Beispiel Rossmann und BASF setzen zunehmend auf eigene Bewerbungsportale. Die Unternehmen schlagen damit gleich mehrere Klappen auf einmal: Zum einen wird damit die Anzahl der Bewerber reduziert und zum anderen ein Pool aus geeigneten Bewerbern erschaffen.

Wer sich auf einem Unternehmensportal bewirbt, brauch einigermaßen gute EDV-Kenntnisse. Während die E-Mail-Bewerbung für den Bewerber eher leicht und komfortabel ist, muss sich der Bewerber bei Bewerbungen auf firmeneigenen Bewerbungsportalen auf etwas mehr Arbeit und auch Zeit einstellen.

Reduzierung der Bewerbungsflut und SPAM Bewerbungen

Eine E-Mail-Bewerbung mag für den Bewerber eine einfache Angelegenheit sein. Für Unternehmen stellt diese Bewerbungsform einen enormen Arbeitsaufwand dar. Es gibt Schätzungen, dass zwischen 80 und 400 Bewerbungen auf ein Stellenangebot eingehen.

Diese Bewerbungen müssen zumindest kurz gesichtet werden. Eine ausführlichere Beschäftigung mit dem Bewerber ist damit fast gar nicht möglich. Nicht jeder Bewerber bewirbt sich freiwillig auf die ausgeschriebenen Stellen. Das Vermittlungsvorschlagswesen (VV) der Agentur für Arbeit und der Jobcenter sorgt dafür, dass sich auch ungeeignete oder wenig motivierte Bewerber auf Stellenangebote bewerben müssen, um einer Sanktion zu entgehen. Die Last für diese vom Gesetzgeber geregelte Vorgehensweise muss dann von den Unternehmen getragen werden, die dafür Personal und Ressourcen zur Verfügung stellen müssen. Kein Wunder also, dass Unternehmen nach Möglichkeiten suchen, Ihren Aufwand zu verringern und leichter geeignete Kandidaten zu finden.

Die Suche nach geeignetem Personal ist für Unternehmen kostenintensiv. Wer ein Portal für Bewerber einrichtet, richtet sich auch einen Pool ein, aus dem man aus geeigneten Bewerbern schöpfen kann. Wenn Bedarf ist, kann man nach geeigneten Kandidaten suchen ohne Stellenangebote öffentlich zu schalten und damit Geld zu investieren. Für den Bewerber ergibt sich damit auch die Chance, sich den sogenannten verdeckten Arbeitsmarkt zu Nutze zu machen. Nach vorsichtigen Schätzungen werden nämlich fast 50% aller zu besetzenden Stellen gar nicht ausgeschrieben, sondern über andere Wege besetzt. Es kann sich also auch langfristig lohnen, sich in firmeneigenen  Bewerbungsportalen oder Jobbörsen einzutragen und das hinterlassene Profil zu pflegen. Besonders dann, wenn man sich langfristig um eine gute Jobperspektive bemüht. Auch und gerade wer nicht unmittelbar von Arbeitslosigkeit betroffen ist, kann hier seine Karrierechancen erweitern.

Vorteile der firmeneigenen Bewerbungsportale für die Unternehmen auf einen Blick:

  • Reduzierung der Kosten und gleichzeitiger Aufbau eines geeigneten Bewerberpools
  • Reduzierung von Spam Bewerbungen
  • Selektion von Bewerbern mit EDV Kenntnissen

Wie alle EDV gestützten Bewerbungsverfahren fördert ein wie auch immer datenbasiertes Bewerbungsverfahren Schmalspurdenken und reduziert den Bewerber auf das reine fachliche Know-How. Die sogenannten Social oder Soft Skills wie Teamfähigkeit oder lösungsorientiertes Denken aber auch Konfliktfähigkeit bleiben erst einmal auf der Strecke. Social oder Soft Skills sind weit weniger messbar als die sogenannten Hard Skills. Während es vor 20 Jahren noch in den Unternehmen willkommen gewesen ist, Bewerber mit interdisziplinären oder transdisziplinären Wissen einzustellen, fördert diese Vorgehensweise ein rein methodisches und weniger in Zusammenhängen denkende Unternehmenskultur. Mit anderen Worten: Bewerber sind in der Regel hochqualifiziert, es fehlt Ihnen jedoch die Fähigkeit über den Tellerrand hinauszuschauen. Aber genau das macht teamorientiertes und lösungsorientiertes Denken aus. Ein gut funktionierendes Team ist nicht nur harmonisch und der Außenseiter hat oft die Lösungsansätze, die den anderen Teammitgliedern verborgen bleiben. Ein gut organisiertes Team zeichnet sich durch die richtige Besetzung von Teamrollen aus, wobei die Charaktere der Teammitglieder völlig unterschiedlich sind. Probleme und Spannungen im Team liegen deshalb oft gar nicht oder nicht nur in der Persönlichkeitsstruktur der Teammitglieder, sondern in der falschen Zusammenstellung eines Teams.

Nachteile dieser und anderer Online Bewerbungsverfahren für die Unternehmen auf einen Blick:

  • Bürokratisierung des Bewerbungsverfahrens
  • selektiert geeignete Kandidaten aus und vernachlässigt eher weniger messbare Faktoren der Kandidatenauswahl.

Flexibilität beim Bewerber gefragt

Für den Bewerber heißt es jetzt flexibel sein und sich noch intensiver mit den Anforderungen des Bewerbungsprozesses zu beschäftigen. Jedes Unternehmen baut sein firmeneigenes Bewerbungsportal anders auf. Und selbst erklärend sind sie in den meisten Fällen auch nicht. Die Jobbörse der Agentur für Arbeit kann dabei nicht als Vorbild dienen. Sie gehört zu den eher abschreckenden Beispielen eines Bewerbungsportals, dass an den Bedarf der Arbeitgeber und dem Bedarf der Bewerber völlig vorbeigeht. Als besonders abschreckend kann man dabei den Lebenslauf der Agentur für Arbeit selbst bezeichnen, der die Vermittlung in Arbeit selbst bei gut qualifizierten Bewerbern eher verhindert denn fördert.  Es hat sich inzwischen zum Standard entwickelt, bei den ausgezeichneten Tätigkeiten im Lebenslauf dem eigentlich ausgeführten Beruf noch ein Tätigkeitsprofil hinzuzufügen. Der mögliche zukünftige Arbeitgeber bekommt damit Hinweise, inwieweit ein Bewerber den zukünftigen Aufgaben der neuen Stelle gewachsen ist und inwieweit er zu der Tätigkeit passt.

Suchmaschinenoptimierung als Vorbild

Es ist also nötig, möglichst fachrelevante Suchbegriffe in den Tätigkeitsbeschreibungen einzubauen. Bei der datenbankorientierten Suche werden geeignete Bewerberprofile nach entsprechenden Begriffen durchforstet und entsprechende Treffer ausgegeben. Der Bewerber hat also die Aufgabe seine Bewerbung wie die Entwickler von Internetseiten für Sucheinträge zu optimieren und sollte das Stellenprofil daher noch genauer lesen und ggf. den Lebenslauf darauf anpassen. Matching heißt das Zauberwort. Firmeneigene Bewerbungsportale haben also den Vorteil Bewerbungen nach relevanten Begriffen durchforsten zu können. Etwas, das man auch bei anderen Online Bewerbungen berücksichtigen sollte.

Nicht nur PDF als Upload-Dateien

Firmeneigene Bewerbungsportale lassen es zu, dass die Unterlagen wie Lebenslauf, Zeugnisse und Bewerbungsschreiben hochgeladen werden können. Dabei kommt es im Unterschied zu E-Mail-Bewerbungen auch oft vor, dass Word-Dokumente (*.docx) und OpenOffice Dokumente (*.odt) hochgeladen werden können.  So merkwürdig es sich anhört aber gerade diese Dateien lassen sich viel leichter auswerten als PDF-Dateien. So kann man nach den Upload Word-Dokumente oder OpenOffice-Dokumente leicht auslesen und in ein Formular umsetzen. Sie müssen dann also die Formulareinträge auf der Internetseite auf Richtigkeit prüfen und überarbeiten. Der Vorteil in einem Karriereportal liegt auch darin, dass Sie diese Einträge ändern können. Bei einem Bewerbungsformular, können Sie das in der Regel nicht. Um dabei möglichst wenig Arbeit zu haben und die Drag & Drop Funktionen einfach nutzen zu können, empfiehlt es sich, den Lebenslauf als reines Textdokument vorzubereiten. Sie können dies einfach mit unserem Tool Bewerbungsdokumente konvertieren erreichen, indem Sie im Tool die Option txt (einfache Textdatei) auswählen. Wer geneigt ist, Textelemente aus PDF-Dateien zu kopieren sollte dringend darauf achten, dass bei PDF-Dokumenten Formatierungszeichen wie zum Beispiel der Trennstrich mitkopiert wird und damit fehlerträchtig ist.

Bewerbung erst versenden nachdem alles richtig eingerichtet ist

Schnell bewerben ist auf Karriereportalen nicht zu empfehlen. Bei vielen Portalen dieser Art, können Sie sich eine Liste geeigneter Stellen anlegen. Die Bewerbung versenden sollten Sie erst, wenn Sie dafür gesorgt haben, dass die Vorarbeit stimmt. Überprüfen Sie also noch einmal alle Einträge Ihres elektronischen Lebenslaufes, der persönlichen Daten und Ihrer hoch geladenen Unterlagen. Versenden Sie die Bewerbung erst, wenn sie sicher sind, dass alles passt. Es kann eine Weile dauern, bis Sie sich auf den firmeneigenen Portalen zurecht finden und die Eigenheiten dieses Portals richtig verstanden haben. Wie gesagt: Jedes Portal funktioniert ein wenig anders.

Nachteile der firmeneigenen Bewerbungsportale für den Bewerber:

  • Hoher Aufwand da man sich registrieren muss und Lebenslaufdaten nacharbeiten muss.
  • Pflege unterschiedlicher Portale nötig. Man sollte sich eine Liste mit den unternehmerischen Portalen, Login Daten und Kennwörtern erstellen.
  • Schwierig Querwege zu gehen.
  • Unterlagen nach Schlüsselworten optimieren

Vorteile der firmeneigenen Bewerbungsportale für den Bewerber:

  • Günstig für langfristige Bewerbungsstrategie.
  • Möglichkeit sich auf unterschiedliche Stellen zu bewerben.
  • Oft auch andere Dokumente als PDF hochladbar. Diese werden direkt ausgewertet.
  • Von der Agentur für Arbeit und den Jobcentern entkoppelt.

 

 

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